Mann von Udo Walz über den Abschied aus der Ferne: »Es war furchtbar«

Carsten Thamm-Walz hat erzählt, wie er sich von seinem Mann Udo kurz vor dessen Tod verabschieden musste – per Videoschalte.

           

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Ich möchte niemanden kränken oder verletzen. Das im Vorfeld. Aber dennoch möchte ich drauf hinweisen, dass jeder Verlust und jedes Abschiednehmen schwer ist und dass es da ganz unterschiedliche Möglichkeiten gibt, selbst wenn man nicht da sein kann. Dies ist ja nicht nur in Coronazeiten so. Natürlich wäre man immer gerne da und ich verstehe durchaus, wie schwer es für Angehörigen und den geliebten Menschen ist, wenn das nicht funktioniert. Ich habe dies zweimal erlebt, einmal bei meinem Papa und dann im 1. Lockdown. Da wäre ich auch gerne noch einmal hin, was aber nicht ging und auch die Regelungen für die Beerdigung waren schwierig. Dennoch haben wir als Familie auf unsere eigene Art und Weise Abschied genommen. Und es war beruhigend, zu wissen, dass liebevolles,engagiertes Personal da war und wir wussten, dass dennoch menschliche Wärme da war. Und auch der Abschied von meinem Vater war ein längerer Prozess und bei jedem Sehen wussten wir,dies könnte das letzte Mal gewesen sein. Ich bin zu dieser Zeit häufig in ein Kloster, habe dort eine Kerze entzündet und mich in die Stille gesetzt. Wir haben Fotos betrachtet, Geschichten erzählt, Musik gehört, die uns ein Stück inneren Frieden gegeben hat. Wir haben kleine Abschiedsrituale gehabt. Ich habe einen Abschiedsbrief geschrieben, in dem ich alles noch mal formuliert habe, was ich noch sagen wollte. Und ich glaube, dass gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten wichtig sein könnte, sich in ähnlichen Situation etwas zu finden, was einem etwas hilft Das macht die Trauer nicht weg,aber es macht es zumeist zeitweise etwas leichter.
Der Tod kommt meiner Meinung nach immer zu früh, wenn man liebt.

Ich wünsche dem Partner von Herrn Walz ,dass er dennoch in seiner eigenen Art und Weise anfangen kann, Abschied zu nehmen und mit seiner Trauer fertig zu werden. Dies war ich aber auch allen, die ebenfalls geliebte Menschen verloren haben.
Auch wenn es schwer ist, halte ich trotz all der Widrigkeiten, die entsprechenden Maßnahmen für notwendig. Auch ich wünschte,es wäre anders. Aber was wir jetzt besonders brauchen, das ist Besonnenheit und ein kleines bisschen Verständnis für die Maßnahmen, die ergriffen werden, um Menschenleben zu schützen.
Leider ist Vernunft nicht immer gut zu ertragen, aber so hart es klingen mag, ich glaub ,da müssen wir einfach durch.


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