Kommentar: Sarah-Lee Heinrich - Die Empörung kommt zu spät

Äußerungen einer 14-Jährigen sagen oft wenig über die Person aus, die sie mal werden wird. Und viel über die Welt, in der sie aufwächst. Ein Kommentar.

           

https://www.facebook.com/derspiegel/posts/10160270421264869

Primär geht es ja nicht um das Posting aus der Vergangenheit als Teenager, sondern vielmehr um die heutige Positionierung. Frau Heinrich stellt deutlichst ihre Abneigung über die "ecklige weiße Mehrheitsgesellschaft" dar. Doch genau diese ermöglicht es doch Menschen wie Frau Heinrich im Jahr 2021 offen so etwas ( und noch andere, in meinen Augen krasse Aussagen) zu posten. Sicherlich wollte und will sie mit dieser Aussage polarisieren und auch dadurch Anerkennung ihrer Partei bekommen. Das aber in unserer heutigen digitalen Zeit ohne großen Aufwand nach "Leichen im Keller" gesucht werden kann und man diese anscheinend schnell gefunden hat, daran hatte sie nicht gedacht. Ihre Jugendliche Naivität wurde nun zu ihrem eigenen Verhängnis. Ich verurteile niemand, was Mal als Teenager gesagt oder geschrieben wurde. Aber diese Verharmlosung der Thematik von Leuten, die sonst schnell von Konsequenzen rufen, sofern sie aus dem anderen politischen Lager kommen, kotzt mich an.


„Äußerungen einer 14-Jährigen sagen oft wenig über die Person aus, die sie mal werden wird. Und viel über die Welt, in der sie aufwächst.“ und genau darin zeigt sich, dass wir das Wahlrecht niemals auf 16-jährige ausweiten dürfen. Der Mensch braucht Zeit zur Reife. Ob Frau Heinrich hier wirklich Fortschritte gemacht hat oder sich mittlerweile nur geschickter auszudrücken weiß, wird man sehen. Viele verfallen vor allem unter Druck gerne wieder in alte Muster zurück. Jeder sollte aber die Chance bekommen sich erneut zu beweisen. In einem guten Umfeld wären aber solche Töne auch mit 14 nicht gefallen. Dieser Umgangston sagt viel über Ihren damaligen Umgang aus. Der hat sich hoffentlich mittlerweile verbessert. Ich wünsche es ihr sehr.


Die Entwicklung eines Menschen ist ein Prozess.
Sie wird anfänglich geprägt vom Umfeld und den dortigen Umgang. Für diesen Einfluss können wir zu nächst nichts!
Das eigenständige Denken und Einordnen hängt mehr und mehr von eigenen Erfahrungen und den Konsequenzen des eigenen Handels ab und geschieht bei einem früher oder später!
Sind wir im besten Fall bereit zu lernen, sind wir offen für andere neue Blickwinkel, erkennen Zusammenhänge…,
sind wir auch bereit uns neu auszurichten. Das geschieht unterschiedlich oft im Leben eines einzelnen und kommt auf soziale Strukturen und die Vielfältigkeit der Gemeinschaft in der wir leben an.
Die Bereitschaft zum dazulernen hängt vom jeweiligen Charakter ab.
Es ist durchaus möglich seine Denkweise zu ändern und es sei auch erlaubt!



Jetzt wird im linkischen Spektrum wieder versucht die Dinge schönzulügen. Als Vater widerspreche ich da deutlich: Antisemitismus und Rassismus sind unter 14 jährigen NICHT normal in Deutschland. Bei drei Kindern habe ich im gesamten Umfeld weder Rassismus, noch Antisemitismus erlebt. Als Eltern bekommt man das mit! Wo waren eigentlich die Eltern von Sarah-Lee als sie sich nicht nur einmal „aus Versehen“ so geäußert hat? Aus welchem Umfeld kam dieses Weltbild und ist sie jetzt nicht mehr Teil dieses Umfelds oder hat sie vielleicht nur gelernt dass man bestimmte Sachen besser nicht sagt und schon gar nicht twittert, wenn einem etwas an der eigenen politischen Karriere liegt? …


ich habe versucht meine Kinder gerade in diesem Alter für diskriminierende Ausdrücke zu sensibilisieren. Das war erfolgreich, aber auch sie haben hin und wieder dennoch diese Begriffe herausgehauen.

als jugendlicher Mensch ist man gezwungen, sich der Sprache der Peers anzupassen, wenn man den sozialen Anschluss nicht verpassen möchte. Und PoC- Jugendlichemüssen sich in einer weißen Mehrheitsgesellschaft noch mehr anstrengen, um anerkannt zu werden. Das gilt für weibliche, behinderte oder LGBTQ+PoC noch mal mehr aufgrund der Mehrfachdiskriminierung.

Ich sehe die verbalen Entgleisungen einer Pubertierenden also auch als Spiegel der Gesellschaft, in der sie lebt, die sich mit dem Inkludieren sehr, sehr schwer tut.


Letztens im ARD-Film "Ausgeliefert", einem Vater-Sohn-Sozialdrama, der Vater über einen anderen Menschen fluchend: "Der S p a s t". Mir blieb für einen Moment das Herz stehen. Genau aus dem im Artikel geschilderten Grund. Wir, die Welt der Erwachsenen, sind die Gesellschaft, in die unsere Kinder hineinwachsen. Wir haben die Normen und Werte zu vermitteln, die unser Zusammenleben regeln. Also haben wir Respekt und Wertschätzung gegenüber allen marginalisierten Gruppen unserer Gesellschaft zu vermitteln. Das bedeutet, wir haben es vorzuleben. Auch und gerade auf social Media.

#ichbinhier und erlebe im täglichen Umgang mit hate speech im Netz leider das Gegenteil.

Sarah-Lee Heinrich hat sich entschuldigt.
Wir sollten es ebenfalls tun. Die Verantwortung für unsere Kinder tragen wir Erwachsenen.

#Entschuldigung
#sarahleeheinrich
#Solidarität


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